UKRAINE: LEBENSMITTEL UND TRAUMABEWÄLTIGUNG
Vier Jahre Krieg. Rund 3,6 Millionen Menschen sind innerhalb der Ukraine vertrieben, viele von ihnen leben seit Jahren fern ihrer Heimat. Auch 2025 bleibt die Not groß: Insgesamt benötigen innerhalb der Ukraine rund 12,7 Millionen Menschen humanitäre Unterstützung. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die trotz Krieg versuchen, ihr Leben weiterzuführen und sich eine Zukunft aufzubauen. Seit März 2022 engagiert sich das Hoffnungsnetz in der Ukraine.
Update Dezember 2025
Von Juli 2023 bis Dezember 2024 wurde bedürftigen Menschen Hilfe geleistet, die von anhaltenden Kampfhandlungen betroffen waren. Die Projekte wurden im Jahr 2025 abgeschlossen.
Der Bedarf an Nothilfe ist gesunken, weil viele Menschen in sicherere Landesteile geflohen sind. Doch die freiwilligen Helferinnen und Helfer unterstützen weiterhin unermüdlich diejenigen, die geblieben sind. Zu ihnen gehören vor allem Erwachsene verschiedener Altersgruppen, die ihre Häuser nicht verlassen konnten, aber auch Familien mit Kindern. Im Projektzeitraum wurden insgesamt 32 000 Menschen mit Lebensmittelpaketen versorgt.
Die Übergabe eines Lebensmittelpakets ist weit mehr als eine Versorgung mit Nahrung: Sie ist ein Zeichen von Freundlichkeit, Fürsorge und Mitgefühl – und sie schenkt Menschen, die kaum noch wissen, wie sich ein normales und friedliches Leben anfühlt, neue Hoffnung.
In Kropywnyzkyj in der zentralen Ukraine und in der Stadt Lwiw im Westen wurde Binnenvertriebenen geholfen, Wohnraum zu finden und sich in ihrem neuen Wohnort einzuleben. In Lwiw erhielten von den Kriegsereignissen traumatisierte Menschen zusätzlich auch psychologische Hilfe.
Update Mai 2024
Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine sind über zwei Jahre vergangen, aber leider ist noch kein Ende des Kriegs in Sicht. 3,7 Million Ukrainerinnen und Ukrainer sind im Land auf der Flucht und 6,3 sind ins Ausland geflohen. Die Partnerwerke des Hoffnungsnetzes helfen in der Ukraine und in Moldawien:
Die «HMK – Hilfe für Mensch und Kirche» verteilt Lebensmittel- und Hygienepakete vor allem in der Ostukraine. Im Moment ist die Not dort am grössten, denn viele Läden und Versorgungswege sind zerstört. Ausserdem hat die HMK mehrere Flüchtlingszentren in der West- und Zentralukraine. In einem Jahr wurden Lebensmittelpakete an 45 000 Personen geliefert und 1600 Flüchtlinge erhielten eine Unterkunft – einige für wenige Tage, andere für mehrere Wochen.
«LIO - Licht im Osten» unterhält Flüchtlingszentren in Ternopil, Uman, Mukatschewo und Kiew. Hier erhalten Flüchtlinge Lebensmittel- und Hygieneartikel sowie weitere Hilfsgüter. Daneben unterstützt ein geschultes Team Menschen durch seelsorgerliche Gespräche. Im Jahr 2023 wurden 25 000 Lebensmittel- und 19 000 Hygienepakete verteilt und über 200 Menschen erhielten eine temporäre Unterkunft.
In Moldawien hilft «AVC – Aktion für verfolgte Christen und Notleidende» schutzsuchenden Flüchtlingen, eine neue Zukunft aufzubauen. Mehrere Familien konnten durch den Kauf leerstehender Häuser sicher untergebracht werden. Zusätzlich wurden weiterhin Lebensmittel, Hygiene- und Putzartikel an Bedürftige geliefert. Eine grosse Herausforderung in der Ukraine ist die Energieversorgung. Deshalb investierte AVC in ca. 200 Generatoren.
«IM - Inter-Mission» unterstützt seit April 2022 ein Flüchtlingshilfe-Projekt in der Region Odessa. Mit einem Hoffnungsnetz-Sofortauftrag konnte die Unterstützung für Menschen aus zerstörten Dörfern ausgebaut werden. Unter anderem wurden Lebensmittel und Heizmaterial für sie bereitgestellt.
Update August 2023
Ein lokales Team war in der Ostukraine unterwegs, um Lebensmittelpakete zu verteilen. Ein Mitarbeiter berichtet:
«Es war eine weitere Reise, eine von vielen. Wir waren in zwei Autos unterwegs. An einer Weggabelung teilten wir uns auf, um je ein Dorf zu besuchen. Wie gewöhnlich verteilten wir die Pakete im Dorfzentrum, wo genügend Platz ist. Und wie immer ging alles schnell, denn die Dörfer waren nicht weit von den Frontlinien entfernt und es wäre gefährlich gewesen, uns lange dort aufzuhalten.
Bald traten wir den Rückweg an. Aber aus irgendeinem Grund nahmen wir eine andere Strasse als diejenige, auf der wir gekommen waren, und am Rande des Dorfes sahen wir ein kleines Haus, neben dem eine Grossmutter stand. Ich sagte, wir müssten anhalten, und eilte zu ihr. Kaum hatte ich mich ihr genähert, fragte sie den Tränen nahe: ‹Habe ich es wieder verpasst?›
Dann erzählte sie uns, dass sie Natalia hiess. Alle ihre Kinder hatten das Dorf schon vor langer Zeit verlassen. Immer, wenn Freiwillige mit Lebensmitteln in ihr Dorf kamen, hatte sie wegen der Entfernung und wegen Problemen mit ihren Beinen Schwierigkeiten, ins Dorfzentrum zu gelangen. Als sie unser wegfahrendes Auto sah, war sie sehr verärgert, dass sie es wieder nicht geschafft hatte.
Schnell riefen wir unsere Freunde im anderen Dorf an und erfuhren, dass sie von ihrer Verteilung noch mehrere Pakete übrig hatten. Nach einer Weile waren sie bei uns. Mit grosser Freude durften wir Natalia ein Lebensmittelpaket überreichen, worüber sie sich ausgiebig bedankte.»
Viele ältere Menschen können ihr Zuhause nicht mehr verlassen. Darum ist es wichtig, sie zu besuchen. Denn was für den einen eine Kleinigkeit ist, ist für den anderen eine grosse Hilfe.

- Grossmutter Natalia erhält ein Lebensmittelpaket. Foto: HMK
Update Februar 2023
Ein Jahr nach Beginn des Kriegs ist noch kein Ende in Sicht. Die Zerstörung ist immens, Tausende sind gestorben, Millionen wurden zur Flucht gezwungen. Die umliegenden Länder, allen voran die Nachbarländer Moldawien und Rumänien, kämpfen mit Flüchtlingsströmen und enormen Preissteigerungen. Das ändert jedoch nichts am Wunsch unserer Partner, weiterhin Tag für Tag Menschen in Not zu helfen.
Aufgrund von Veränderungen der Frontlinien sind einige Gebiete im Osten der Ukraine wieder zugänglich. Wir verfügen über die notwendigen Transportmittel und unternehmen lange Reisen (Hin- und Rückweg etwa 1000 km) von der Zentralukraine in den Osten, um Lebensmittelpakete zu liefern. In Kirchen und Sozialzentren in der Westukraine, in Moldawien und in Rumänien stellen wir Schlafplätze zur Verfügung, wo Menschen manchmal eine Nacht, manchmal mehrere Monate bleiben. Die Zahl der Flüchtenden nimmt seit Sommer 2022 ab, aber besonders in Moldawien und Rumänien sind immer noch viele auf der Flucht nach Westeuropa oder der Rückkehr ins Heimatland. In den kalten Wintermonaten sind die Zentren – die wir mit Generatoren ausrüsten – trotz ständigen Stromausfällen ein Ort der Wärme.
Durch die Nothilfe sind weitere Arbeitszweige entstanden: Arbeitsplätze für Online-Unterricht, Aktivitäten für Kinder und Jugendliche, Hilfe bei der Arbeitssuche oder bei juristischen Problemen, Kurse zur Trauma-Bewältigung, Nähkurse, einzelne Wiederaufbauprojekte. So wurde in Lwiw der Dachstock einer Kirche renoviert, um für weitere Flüchtlinge Platz zu machen. Und in Sarata Galbena in Moldawien wurden Hallen für Kindercamps ausgebaut. Dort unterstützen wir dort eine Bäckerei. An Spitzentagen werden dort 1500 Brote gebacken und an bedürftige Flüchtlinge wie auch Einheimische verteilt.

- Bild: Eine Frau in ihrem zerstörten Haus in der Ostukraine. Foto: LIO
Update Dezember 2022
Ein Partner aus der Stadt Lwiw berichtet: «Im ganzen Land ist die Energielage kritisch. Jeden Tag haben wir mehrere Stunden keinen Strom. Besonders kleinere Ortschaften sind herausgefordert. Die Behörden haben gesagt, wir müssen darauf vorbereitet sein, mehrere Wochen komplett ohne Strom auszukommen. Ich weiss nicht, wie wir das schaffen sollen. Die Heizung und die Wasserversorgung brauchen auch Strom. Wir helfen weiterhin den vielen Flüchtlingen, z. B. mit unseren neuen Rehabilitationskursen, die schon in zehn verschiedenen Orten gestartet haben.»
Der Energiemangel ist im Winter besonders herausfordernd. Aus diesem Grund verteilt das Hoffnungsnetz Lebensmittel, Trinkwasser, Kleider, warme Decken, Medikamente, Stromgeneratoren und vieles mehr in der ganzen Ukraine. Ein Stromgenerator wurde an unseren Partner in Lwiw geliefert, damit die Menschen in der Flüchtlingsunterkunft die harten Wintermonate etwas leichter überstehen können.

Update Oktober 2022
Alex aus Mariupol erzählt: «Nach Kriegsbeginn sah ich meine Heimatstadt fast jeden Tag brennen. Es fühlt sich an, als ob sie vom Erdboden verschluckt wurde. Mitten im Kriegsgebiet half ich bei der Unterbringung von Flüchtlingen und bei der Verteilung von Lebensmitteln. Es würde zu lange dauern, alles zu erzählen, was ich dabei erlebte. Einmal traf eine Rakete eine nahegelegene Kirche, aber Gott sei Dank überlebten alle. Nach etwa einem Monat beschloss ich, in Richtung Saporischschja zu ziehen. Mit einer Gruppe von Leuten lief ich 40 Kilometer, bis uns ein Auto mit Freiwilligen abholte. Danach passierten wir etwa 20 Kontrollpunkte, bevor wir endlich ukrainisch kontrolliertes Gebiet erreichten. Alle im Auto weinten, als wir merkten, dass wir in Sicherheit waren. Schliesslich schaffte ich es nach Lwiw und freute mich, dass es dort Essen und Wärme gab und dass ich vorübergehend in Sicherheit war. Aber mein Herz schmerzt für die Menschen, die zurückgeblieben sind. Ich möchte nach Hause gehen und das Leben weiterleben, das mir genommen wurde.»












